Sparpotenzial beim Versorgerwechsel – der Realitätscheck

Warum drei Studien zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen kommen – und was das für den Markt wirklich bedeutet

Der Versorgerwechsel gilt seit Jahren als eines der zentralen Instrumente für Haushalte, um Energiekosten zu senken. Entsprechend groß ist die Aufmerksamkeit, wenn neue Studien das Einsparpotenzial beziffern. Doch ein Blick auf die aktuellen Veröffentlichungen zeigt: Die Ergebnisse könnten kaum unterschiedlicher sein.

Eine Studie der RWTH Aachen beziffert die sogenannte „Treuestrafe“ auf bis zu 11 Milliarden Euro. Wechselpilot kommt auf ein Einsparpotenzial von rund 2,6 Milliarden Euro für Haushalte in der Grundversorgung. Die Bundesnetzagentur hingegen ermittelt für tatsächliche Wechsler lediglich rund 280 Millionen Euro, was etwa 42 Euro pro Kunde entspricht.

Was steckt hinter diesen Unterschieden? Und vor allem: Welcher Wert ist realistisch? Genau mit dieser Frage beschäftigen wir uns im aktuellen Schwerpunktthema von Energiemarkt Aktuell – und ordnen die unterschiedlichen Ergebnisse systematisch ein.

Drei Analysen – drei Perspektiven

Die stark abweichenden Ergebnisse sind kein Zufall. Denn die Studien betrachten unterschiedliche Fragestellungen:

Die RWTH Aachen analysiert Preisunterschiede zwischen Bestands- und Neukunden und leitet daraus ein maximales theoretisches Einsparpotenzial ab. Wechselpilot fokussiert sich auf die Grundversorgung und berechnet, was Kunden in diesem Segment konkret sparen könnten. Die Bundesnetzagentur wiederum zeigt, wie viel Verbraucher tatsächlich beim Anbieterwechsel eingespart haben.

Hier eine Übersicht der drei Analysen:

Damit stehen sich drei Perspektiven gegenüber: theoretisches Maximum, realistisches Teilsegment und tatsächliche Marktrealität.

Zwischen Modell und Markt – ein realistischer Näherungswert

Alle Ansätze haben ihre Berechtigung – bilden aber die Realität nur ausschnittsweise ab. Entsprechend lässt sich kein eindeutiger „richtiger“ Wert bestimmen. Vielmehr bewegen sich die Ergebnisse in einer Spannbreite zwischen theoretischem Potenzial und tatsächlicher Marktpraxis.

Alle drei Betrachtungen haben ihre eigenen Schwächen und über- oder unterschätzen des Einsparpotenzial. Der Grund hierfür ist die jeweils nicht ideale Datengrundlage, weil valide Marktdaten, die eine vollständige und richtige Analyse zulassen, nicht öffentlich verfügbar sind.

Ein zusätzlicher Referenzpunkt ergibt sich aus Befragungsdaten der Vertriebskanalstudie Energie 2025 von Kreutzer Consulting und Nordlight Research: Wechsler selbst geben im Durchschnitt eine Ersparnis von rund 160 Euro pro Jahr an. Dieser Wert liegt zwischen den modellierten und den theoretischen Ergebnissen und schwankte in den letzten 10 Jahren zwischen 143 und 217 €.

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